Buddha Shakyamuni

“Buddha” bedeutet “der Erwachte”, jemand, der aus dem Schlaf der Unwissenheit erwacht ist und die Dinge so sieht, wie sie wirklich sind. Ein Buddha ist eine von allen Fehlern und geistigen Hindernissen vollständig befreite Person. Es gibt viele Menschen, die in der Vergangenheit Buddhas geworden sind, und viele Menschen werden in der Zukunft Buddhas werden.

Der Buddha, der die buddhistische Religion gegründet hat, wurde in Indien, an einem Ort namens Lumbini geboren, der ursprünglich im Norden Indiens lag, heute aber zu Nepal gehört, im Jahre 624 v. Chr. in eine königliche Familie geboren. Er wurde Prinz Siddhartha genannt.

Als der junge Prinz heran wuchs, meisterte er alle traditionellen Künste und Wissenschaften. Dem Wunsch seines Vater folgend, besuchte er eine Schule, in der er ausser dem Studium verschiedener akademischer Fächer auch Gewandheit im Sport, wie den Kampfkünsten und dem Bogenschiessen, erlangte. Gelegentlich begab sich Prinz Siddhartha in die Hauptstadt des Königreiches seines Vaters, um zu sehen, wie die Menschen lebten. Während dieser Besuche begegnete er vielen alten und kranken Menschen und einmal sah er eine Leiche. Diese Begegnungen hinterliessen einen tiefen Eindruck, der in dazu bewegte, seinen Palast verlassen zu wollen, um in der Einsamkeit des Waldes Erleuchtung zu erlangen. Da er erkannte, dass man nur als voll erleuchteter Buddha die Weisheit und Kraft besitzt, Lebewesen von ihren Leiden wie Alter, Krankheit und Tod zu befreien.

Als der König jedoch bemerkte, dass der Prinz den Palast verlassen wollte, versuchte er mit allen Mitteln seinen Sohn daran zu hindern, aus dem Palast fortzugehen. In der Hoffnung, der Prinz möge seine Meinung ändern, lud der König viele Sänger und Tänzerinnen ein, die den Prinz unterhalten sollten. Er stellte viele Wachen an den Palastmauern auf. Doch all dies konnte die Entschlossenheit des Prinzen nicht ins Wanken bringen. Eines Nachts versetzte er mittels seiner Wunderkräfte die Wachen und alle Bewohner des Palastes in einen tiefen Schlaf. Dann entfloh er dem Palast mit der Hilfe eines Freundes.

Siddhartha wanderte zu einem Ort in der Nähe von Bodh Gaya in Indien. Dort fand er eine geeignete Höhle für seine Meditation. Nachdem er sich sechs Jahre in dieser Meditation geschult hatte, erkannte er, dass er der Erleuchtung sehr nahe war. Er machte sich auf nach Bodh Gaya und liess sich in der Meditationshaltung unter dem Bodhibaum nieder. Er versprach, sich nicht aus der Meditation zu erheben, bis er die volle Erleuchtung erlangt habe.

Als die Nacht anbrach, versuchte der Geist Devaputra, Oberhaupt aller Dämonen dieser Welt, Siddhartas Konzentration zu stören. Er beschwor viele furchteinflössende Erscheinungen herauf, wie Schrecken erregende Dämonen. Manche warfen Speere, einige schossen Pfeile ab und andere schleuderten Felsbrocken auf ihn. Siddhartha jedoch verweilte völlig ungestört.

Dank der Kraft seiner Konzentration erschienen ihm die Speere, Pfeile und Felsbrocken als ein Regen duftender Blumen. So besiegte Siddhartha alle Dämonen dieser Welt. Deshalb ist er jetzt als ‘Eroberer-Buddha’ bekannt.

Er zeigte 589 v. Chr. in Bodh Gaya (Indien), wie das endgültige Ziel der Lebewesen, die Erlangung der Erleuchtung, vollendet wird. Auf Bitten der Götter Indra und Brahma begann Buddha anschliessend seine tiefgründigen Lehren zu erläutern, das heisst das “Rad des Dharmas zu drehen”. Buddha gab 84’000 Unterweisungen und aus diesen kostbaren Unterweisungen entwickelte sich der Buddhismus in dieser Welt. Heute können wir vielen unterschiedlichen Formen des Buddhismus wie Zen- und Theravada-Buddhismus begegnen. All diese unterschiedlichen Aspekte sind Übungen der Lehren Buddhas und sie alle sind gleichermassen kostbar; es sind einfach unterschiedliche Präsentationen.

Siddhartha setzte daraufhin seine Meditation bis zur Morgendämmerung fort. Als er durch seine Konzentration selbst die kleinste fehlerhafte Erscheinung aller Phänomene vollständig aus seinem Geist entfernt hatte, wurde er ein Buddha, ein voll erleuchtetes Wesen. Es gibt nichts was Buddha nicht weiss. Dies ist so, weil er aus dem tiefen Schlaf der Unwissenheit erwacht und sein Geist von allen wolkengleichen Behinderungen der fehlerhaften Erscheinungen und behindernden Gedanken befreit ist. Buddha weiss direkt und gleichzeitig alles aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Buddha hat Mitgefühl für ausnahmslos alle Lebewesen. Deshalb hilft er jedem Lebewesen ohne Unterscheidung, indem er eine Vielfalt von Dingen im ganzen Universum erscheinen lässt und ihren Geist segnet. Durch Buddhas Segnungen erleben wir alle bisweilen einen friedvollen Geist. Und wenn unser Geist friedvoll ist, dann sind wir wirklich glücklich, selbst wenn die äusseren Umstände ungünstig sind.

Neunundvierzig Tage nach Buddhas Erleuchtung baten ihn die Götter Brahma und Indra zu lehren. Infolge dieser Bitte gab Buddha an einem Ort namens Varanasi seine erste Unterweisung, die “Vier Edlen Wahrheiten”. Später gab er am Berg der Versammelten Geier Unterweisungen über vollkommene Weisheit. Menschen sind unterschiedlich hinsichtlich ihrer spirituellen Befähigung für spirituelles Verständnis und Praxis. Deshalb lehrte Buddha aus Mitgefühl auf vielen Ebenen, so wie ein geschickter Arzt alle benötigten Arzneien verordnet. Buddha gab 84’000 unterschiedliche Arten von Unterweisungen. Dadurch verbreitete sich seine Lehre in der ganzen Welt.