Was ist Meditation?

Meditation ist eine Methode, unseren Geist mit Tugend vertraut zu machen. Je vertrauter unser Geist mit Tugend ist, desto ruhiger und friedlicher wird er. Wenn unser Geist friedlich ist, sind wir frei von Sorgen und geistigem Unbehagen. Wir erleben wahres Glück.

Wenn wir unseren Geist darin schulen, friedlich zu sein, werden wir immer glücklich sein, selbst unter den widrigsten Umständen. Ist unser Geist jedoch unfriedlich, dann können wir uns in den angenehmsten äußeren Umständen befinden und werden trotzdem nicht glücklich sein. Deshalb ist es wichtig, unseren Geist durch Meditation zu schulen.

Wer direkt eine praktische Erfahrung von Mediation machen möchte, kann gerne einen unserer wöchentlichen Meditationsabende oder ein Meditations-Workshop besuchen.

Es gibt zwei Arten der Meditation: analytische Meditation und verweilende Meditation. Überdenken wir den Sinn einer Dharma-Anweisung, die wir gehört oder gelesen haben, so üben wir analytische Meditation aus. Durch tiefes Nachdenken über diese Anweisung werden wir schließlich zu einer Erkenntnis gelangen, oder es entsteht ein besonderer, tugendhafter Geisteszustand. Dies ist das Objekt der verweilenden Meditation.

Haben wir unser Objekt durch analytische Meditation gefunden, konzentrieren wir uns einsgerichtet so lange wie möglich darauf, um eine tiefe Vertrautheit mit dem Objekt zu gewinnen. Diese einsgerichtete Konzentration ist die verweilende Meditation. Oft wird analytische Meditation “Kontemplation” und verweilende Meditation einfach nur “Meditation” genannt.

Die verweilende Meditation hängt von der Kontemplation ab, und diese beruht auf dem Hören oder Lesen der Dharma-Anweisungen.

Meditation gehört zur Weltmedizin

«Um Leiden zu mildern und Heilung zu fördern, praktizieren fast alle Religionen Meditation in irgendeiner Form. Meditation ist Teil der drei grossen asiatischen Medizinrichtungen (der aryurvedischen, der chinesischen und tibetischen Medizin). Sie wird wohl auch zu der sich abzeichnenden Weltmedizin gehören, die einmal das gesamte, geprüfte Heilwissen der Menschheit beinhalten wird» schreibt Dr. med. Max W. Kälin, Lehrarzt FMH und Dharmanachfolger von Chan-Meister Dr. Sheng-yen. (Schweizerische Ärztezeitung. 2001, S. 2360)

Das Ziel der Meditation

ist es, Geisteszustände zu entwickeln, die Frieden und Wohlbefinden fördern und diejenigen, die das nicht tun, zu beseitigen.

Wenn wir unser Leben betrachten, entdecken wir wahrscheinlich, dass der größte Teil unserer Zeit und Energie für weltliche Ziele verwendet wird. Wir streben materielle und emotionale Sicherheit an, geben uns Sinnenfreuden hin oder sind bemüht, einen guten Ruf zu erlangen.

Obwohl diese Dinge uns für kurze Zeit glücklich machen können, vermögen sie uns die tiefe und beständige Zufriedenheit nicht zu geben, nach der wir uns sehnen. Früher oder später wandelt sich unser Glück in Unzufriedenheit, und wir befinden uns wieder auf der Suche nach weiteren weltlichen Vergnügen.

Direkt oder indirekt verursachen weltliche Vergnügen geistiges und körperliches Leiden, indem sie Anhaftung, Neid und Frustration verstärken. Zudem geraten wir auf der Suche nach der Erfüllung unserer Wünsche oft in Konflikt mit anderen Lebewesen.

Wenn wahre Erfüllung nicht in weltlichen Vergnügen gefunden werden kann, wo können wir sie finden? Glück ist ein Geisteszustand. Also entspringt die wahre Quelle des Glücks im Geist, nicht in äußeren Umständen.

Wenn unser Geist rein und friedvoll ist, werden wir unabhängig von unseren äußeren Umständen glücklich sein. Ist unser Geist aber unrein und ohne Frieden, werden wir niemals Glück finden, wie sehr wir uns auch bemühen, unsere äußeren Bedingungen zu verändern.

Die Methode, mit der wir unseren Geist rein und friedvoll werden lassen, ist sich in Meditation zu üben.

Die Vorteile der Meditation

Üben wir uns geduldig auf diese Weise in Meditation, werden unsere ablenkenden Gedanken allmählich nachlassen und wir werden ein Gefühl von innerem Frieden und Entspannung erfahren.

Unser Geist wird klar und weit und wir fühlen uns erfrischt. Wenn das Meer stürmisch ist, werden Ablagerungen hochgewirbelt und das Wasser wird trüb, aber wenn der Wind sich legt, setzt sich der Schlamm langsam ab und das Wasser wird klar.

Auf ähnliche Weise wird unser Geist ungewöhnlich hell und klar, sobald die sonst unaufhörliche Flut unserer ablenkenden Gedanken durch Konzentration auf den Atem beruhigt wird. In diesem Geisteszustand der Ruhe sollten wir eine gewisse Zeit verweilen.

Wenn die Unruhe der ablenkenden Gedanken abnimmt und unser Geist zur Ruhe kommt, steigen tiefes Glück und Zufriedenheit ganz natürlich aus unserem Inneren hoch. Dieser Zustand der Zufriedenheit und des Wohlgefühls hilft uns, mit der Geschäftigkeit und den Schwierigkeiten des Alltags fertig zu werden.

Ein Großteil unseres Stresses und unserer Spannungen stammen aus unserem Geist, und viele unserer täglichen Probleme, einschließlich unserer schlechten Gesundheit, werden durch diesen Stress verursacht oder verstärkt. Bereits durch eine tägliche Atemmeditation von nur zehn oder fünfzehn Minuten können wir diesen Stress vermindern.

Wir werden ein ruhiges, weites Gefühl in unserem Geist erleben, und viele unserer üblichen Probleme werden wegfallen. Wir werden leichter mit schwierigen Situationen fertig, wir werden anderen Menschen gegenüber ganz natürlich warmherzig und wohlwollend, und unsere Beziehungen zu ihnen werden sich allmählich verbessern.

Wollen wir aber dauerhaften, unveränderlichen inneren Frieden erreichen und vollständig frei von Problemen und Leiden werden, müssen wir über die einfache Atemmeditation hinausgehen und praktischere Formen der Meditation ausüben, wie den Zyklus der einundzwanzig Meditationen, die in Das Neue Meditationshandbuch erklärt werden.

Wenn wir diese Meditationen ausführen, beginnen wir damit, den Geist mit Atemmeditation zu beruhigen, und fahren dann fort mit den Stufen der analytischen und verweilenden Meditation gemäß den spezifischen Anweisungen für jede Meditation.

Die Objekte der Meditation

Im allgemeinen kann jedes tugendhafte Objekt als Objekt der Meditation dienen. Entdecken wir, dass unser Geist durch Vertrautwerden mit einem bestimmten Objekt friedvoller und tugendhafter wird, ist dies ein Hinweis dafür, dass dieses Objekt für uns tugendhaft ist. Geschieht das Gegenteil, ist es für uns ein nicht-tugendhaftes Objekt. Viele Objekte sind neutral und haben keine besondere positive oder negative Wirkung auf unseren Geist.

Es gibt viele verschiedene tugendhafte Meditationsobjekte; die bedeutungsvollsten sind aber die Objekte der einundzwanzig Meditationen, beginnend mit “Sich auf einen Spirituellen Meister verlassen” bis zur Meditation über Leerheit, die endgültige Natur der Phänomene. Diese werden in Das Neue Meditationshandbuch erklärt.

Wir meditieren über Liebe, Mitgefühl und Bodhichitta, um ein “gutes Herz” für alle Lebewesen zu entwickeln und zu bewahren.

Mit diesem “guten Herzen” meditieren wir über Ruhiges Verweilen und Höheres Sehen, damit wir unsere Unwissenheit überwinden können.

Möchten Sie eine Meditation gleich selber ausprobieren? Hier finden sie eine Anleitung einer einfache Atemmeditation  und Hier ein paar Tipps zum meditieren lernen.

Für weitere Informationen zur Meditation siehe Das Neue Meditationshandbuch.